Welche Grillkohle ist die richtige?

Welche Grillkohle ist die richtige?

Holzkohle ist Holzkohle.

Klingt erstmal logisch.

Ist aber ungefähr so hilfreich wie:

Auto ist Auto.

Es gibt Kohle, die schnell heiß wird.

Kohle, die lange läuft.

Kohle, die sauber brennt.

Kohle, die nur aus kleinen Bröseln besteht und dich schon beim Öffnen des Sacks aggressiv macht.

Und es gibt Briketts, die für bestimmte Anwendungen deutlich besser passen als normale Stückkohle.

Die Frage ist also nicht:

Welche Grillkohle ist die beste?

Sondern:

Welche Kohle passt zu dem, was du machen willst?

Holzkohle oder Briketts?

Das ist erstmal die wichtigste Unterscheidung.

Holzkohle

Holzkohle besteht aus verkohltem Holz und kommt meist in unterschiedlich großen Stücken.

Ihre Stärke:

Sie wird schnell heiß.

Das macht sie stark für:

Steak

Burger

direktes Grillen

hohe Temperaturen

Kamado

kurze bis mittlere Grilljobs

Gute Stückkohle kann richtig Leistung bringen.

Und genau das willst du manchmal.

Briketts

Briketts werden aus Holzkohle beziehungsweise Holzkohleresten gepresst.

Dadurch sind sie deutlich gleichmäßiger.

Ihre Stärke:

Sie brennen meist länger und konstanter.

Das ist praktisch für:

indirektes Grillen

Low & Slow

Dutch Oven

lange Garzeiten

Kugelgrill

Temperaturen, die du über längere Zeit stabil halten willst

Also:

Holzkohle für Leistung.

Briketts für Ausdauer.

Natürlich stark vereinfacht.

Aber als Ausgangspunkt funktioniert das ziemlich gut.

Welche Kohle für Steak?

Wenn ich ein Steak richtig scharf angrillen will, nehme ich gerne gute Stückholzkohle.

Warum?

Weil ich hohe Hitze will.

Schnell.

Eine gute Kohle bringt ordentlich Temperatur und reagiert gut auf Luftzufuhr.

Gerade bei direkter Hitze darf es ruhig krachen.

Du willst schließlich Röstaromen.

Nicht eine zweistündige Beziehung zum Rost aufbauen.

Welche Kohle für Low & Slow?

Hier sieht es anders aus.

Bei Pulled Pork, Brisket oder Rippchen willst du nicht alle 20 Minuten hektisch Kohle nachwerfen.

Du willst eine möglichst stabile Temperatur über längere Zeit.

Dafür können gute Briketts hervorragend funktionieren.

Gerade im Kugelgrill kannst du mit Methoden wie Minion Ring oder Kohleschlange sehr lange Laufzeiten erreichen.

Das ist praktisch.

Und vor allem:

Du kannst schlafen.

Zumindest theoretisch.

Was ist Restaurant-Holzkohle?

Restaurantkohle besteht meistens aus größeren und dichteren Stücken.

Sie ist ursprünglich für Anwendungen gedacht, bei denen lange und sehr heiß gearbeitet wird.

Also beispielsweise:

Gastronomie

große Holzkohlegrills

Kamados

lange direkte Grilljobs

Die größeren Stücke haben einen Vorteil:

Sie halten länger durch und blockieren die Luftzufuhr weniger schnell als ein Sack voller kleiner Krümel.

Gerade im Kamado kann das sehr angenehm sein.

Ist Restaurantkohle immer besser?

Nein.

Auch bei Restaurantkohle gibt es Qualitätsunterschiede.

Ein großer Sack und ein cooler Name bedeuten nicht automatisch, dass du fantastische Kohle gekauft hast.

Wenn die Hälfte beim Öffnen schon aus Staub besteht, hilft dir das Wort „Restaurant“ auf der Verpackung herzlich wenig.

Ich achte lieber auf:

große Stücke

wenig Staub

gleichmäßige Qualität

vernünftiges Abbrennverhalten

und möglichst wenig seltsame Gerüche beim Anzünden

Welche Kohle für einen Kamado?

Beim Kamado mag ich große Stückholzkohle.

Der Kamado arbeitet extrem effizient.

Du brauchst also nicht zwingend Briketts, um lange Laufzeiten zu erreichen.

Große Stücke sorgen für gute Luftwege und können sehr lange brennen.

Dazu kommt:

Du kannst die Kohle nach dem Grillen häufig einfach durch Schließen der Lüftung ersticken und beim nächsten Mal weiterverwenden.

Das ist einer der Punkte, die einen Kamado im Betrieb ziemlich angenehm machen.

Kann man im Kamado Briketts verwenden?

Je nach Grill grundsätzlich ja.

Aber ich persönlich würde dort eher gute Stückholzkohle nutzen.

Der Kamado spielt seine Stärken damit einfach sehr gut aus.

Große Stücke.

Guter Luftstrom.

Lange Laufzeit.

Hohe Temperaturen möglich.

Passt.

Welche Kohle für den Dutch Oven?

Hier bin ich ziemlich klar:

Briketts.

Zumindest wenn du klassisch mit Kohlen unter und auf dem Dutch Oven arbeiten willst.

Der Grund ist nicht der Geschmack.

Der Grund ist Kontrolle.

Briketts sind relativ gleich groß.

Dadurch kannst du sie zählen und verteilen.

Zum Beispiel:

einige unten

mehrere oben

und damit eine bestimmte Hitzeverteilung erzeugen

Bei loser Holzkohle hast du vielleicht ein Stück so groß wie eine Faust und daneben fünf kleine Splitter.

Das lässt sich schlechter reproduzieren.

Muss ich beim Dutch Oven teure Briketts kaufen?

Nein.

Aber sie sollten vernünftig brennen.

Ich will bei Briketts vor allem:

gleichmäßige Größe

stabile Form

lange Brenndauer

wenig Asche

und keine permanente Zerbröselung

Wenn du alle 20 Minuten neue Kohle brauchst, macht der Dutch Oven irgendwann weniger Spaß.

Welche Kohle für den Kugelgrill?

Beides.

Und genau das macht den Kugelgrill so vielseitig.

Für direktes Grillen:

Stückkohle.

Für lange indirekte Jobs:

Briketts.

Oder du kombinierst beides.

Du kannst beispielsweise mit Briketts eine stabile Basis aufbauen und mit etwas Holzkohle zusätzliche Hitze erzeugen.

Es gibt keinen Kohlepolizisten.

Welche Kohle für einen Schwenkgrill?

Da darf es für mich ruhig klassisch sein.

Gute Stückholzkohle.

Oder sogar ein richtiges Holzfeuer, wenn der Grill dafür gedacht ist.

Beim Schwenkgrill geht es für mich weniger um exakt 117,5 Grad Garraumtemperatur.

Da geht es um Feuer.

Hitze.

Abstand.

Und Gefühl.

Das darf ruhig etwas ursprünglicher sein.

Welche Kohle für sehr hohe Temperaturen?

Große, hochwertige Stückholzkohle.

Gerade dichte Kohle kann extrem heiß werden.

Mit viel Sauerstoff bekommst du damit Temperaturen, bei denen Steak, Pizza oder andere Hochtemperaturgeschichten richtig Spaß machen.

Aber:

Mehr Hitze ist nicht automatisch immer besser.

Ein Hähnchen wird nicht dadurch besser, dass du es bei 500 Grad verdampfst.

Werkzeug passend einsetzen.

Woran erkennt man gute Grillkohle?

Wenn ich einen Sack öffne, will ich keine Staubwolke und drei verwendbare Stücke sehen.

Gute Kohle sollte möglichst:

ordentliche Stückgrößen haben

wenig Staub enthalten

sauber und gleichmäßig brennen

keine unangenehmen chemischen Gerüche entwickeln

vernünftig Hitze liefern

und zur Anwendung passen

Das klingt banal.

Ist aber am Ende genau das.

Ist teure Kohle automatisch besser?

Nein.

Wie bei fast allem.

Es gibt günstige Kohle, die richtig gut funktioniert.

Und teure Kohle, bei der du hauptsächlich die Verpackung bezahlst.

Wenn eine Kohle sauber brennt, gute Stücke hat und für deinen Grill funktioniert:

Benutzen.

Du musst keine importierte Spezialkohle aus einem japanischen Bergdorf kaufen, um eine Bratwurst hinzubekommen.

Was ist mit Kokosbriketts?

Kokosbriketts können interessant sein.

Sie brennen häufig:

lange

gleichmäßig

und relativ heiß

Gerade für Dutch Oven oder längere Grilljobs können sie sehr gut funktionieren.

Allerdings unterscheiden sich Produkte auch hier deutlich.

Manche sind super.

Andere zerfallen oder produzieren mehr Asche, als einem lieb ist.

Also:

Ausprobieren.

Wenn sie funktionieren, funktionieren sie.

Macht die Holzart der Kohle einen Unterschied?

Teilweise.

Dichte Hölzer können eine dichtere und länger brennende Kohle ergeben.

Aber beim normalen Grillen würde ich daraus keine Wissenschaft machen.

Der Rauchgeschmack kommt bei klassischer Holzkohle deutlich weniger von der ursprünglichen Holzart, als viele vermuten.

Wenn du gezielt Raucharoma willst, bist du bei Räucherholz, Chunks oder Chips viel genauer unterwegs.

Muss Grillkohle nachhaltig sein?

Für mich sollte man zumindest hinschauen.

Holzkohle ist Holz.

Und irgendwo muss dieses Holz herkommen.

Deshalb finde ich nachvollziehbare Herkunft und verantwortungsvolle Forstwirtschaft durchaus relevant.

Gerade bei extrem billiger Importkohle würde ich zumindest einmal überlegen, warum ein Sack Holzkohle billiger sein kann als manches Brennholz.

Billig hat manchmal einen Grund.

Wie viel Kohle braucht man?

Auch hier gibt es keine universelle Zahl.

Steak für zwei Personen?

Du brauchst keinen kompletten Sack.

Pulled Pork über viele Stunden?

Dann sieht es anders aus.

Ein Kamado verbraucht aufgrund seiner Isolierung häufig deutlich weniger Kohle als ein offener Grill.

Ein großer Smoker kann dagegen ordentlich Brennstoff schlucken.

Also:

Nicht nach Kilogramm denken.

Nach Anwendung denken.

Kann man alte Kohle wiederverwenden?

Bei Holzkohle:

Oft ja.

Wenn die Stücke noch ordentlich erhalten sind und trocken gelagert wurden, kannst du sie beim nächsten Grillen wieder verwenden.

Beim Kamado mache ich das besonders gerne.

Lüftung schließen.

Feuer ersticken.

Beim nächsten Mal neue Kohle dazu.

Weiter.

Warum wegwerfen, was noch funktioniert?

Muss ich jede Kohlesorte ausprobieren?

Natürlich.

Schließlich gilt beim Grillzubehör wie immer:

n + 1.

Nur ist n diesmal die Anzahl der Kohlesäcke in deiner Garage.

Nein.

Im Ernst.

Wenn du eine Kohle gefunden hast, die:

gut brennt

gut verfügbar ist

vernünftig kostet

und zu deinem Grill passt

dann gibt es keinen Grund, jedes Wochenende die nächste Wunderkohle zu bestellen.

Einfach funktioniert.

Und einfach ist gut.

Mein Fazit

Die perfekte Grillkohle gibt es nicht.

Es gibt nur die richtige Kohle für die richtige Aufgabe.

Für hohe direkte Hitze:

gute Stückholzkohle.

Für lange und gleichmäßige Garzeiten:

Briketts.

Für den Dutch Oven:

Briketts sind meistens die praktischste Lösung.

Für den Kamado:

große Stückholzkohle.

Und für alles andere gilt:

Ausprobieren.

Verstehen, was dein Grill braucht.

Und aufhören, aus jedem Sack Kohle eine Wissenschaft zu machen.

Make it better, not different.

Be the coach!

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